... UND MEHR

  •  Blutegeltherapie

Die Blutegeltherapie gehört zu den ältesten bekannten Heilmethoden. Sie wurde am Menschen schon vor 3000 Jahren angewandt. Außerdem kamen noch immer frei lebende Tiere in den Genuss der heilenden Wirkung des Egelbisses, zumal Egel mit ihren Sinneselementen die geeigneten Stellen an ihrem Wirtstier selbstständig finden. Es ist bekannt, dass wildlebende Rinder, Wasserbüffel, Schafe und Pferde mit Gelenkproblemen ganz gezielt Gewässer aufsuchen, in denen Blutegel leben.

Blutegel wurden noch immer eingesetzt um Leiden zu lindern, im 19. Jahrhundert so exzessiv, dass manchmal bis zu 100 Egel an einen Menschen angesetzt wurden. Damals wurden sie vor allem wegen der stimmungsaufhellenden Wirkung angewendet. Blutegel wurden nicht nur von Ärzten eingesetzt, sondern waren auch immer ein wesentlicher Bestandteil der Volksmedizin, mit deren Hilfe sich auch die ärmere Bevölkerung helfen konnte. Auch in der Armee wurden Blutegel bei der Wundbehandlung und zur Verhinderung von Sepsis weit verbreitet eingesetzt.  In der Medizin werden die Spezies Hirudo officinalis und Hirudo verbana, ggf. noch Hirudo orientalis verwendet, die sich jedoch kaum unterscheiden. Die hauptsächliche Wirkung beruht auf den Inhaltsstoffen des Speichels, von denen bisher nur wenige benannt sind, allerdings werden 30 bis 100 Substanzen vermutet, die während des Zubeißens, des Saugens und auch während des Loslassens abgegeben werden. Hinzu kommt der durch das gerinnungshemmende Hirudin verursachte Blutverlust, wobei beim Saugen etwa 20 ml entfernt werden. Daher spricht man auch von einem „Miniaderlass“. Die gleiche Menge wird noch einmal bei der Nachblutung verloren. Neben gerinnungshemmenden Substanzen werden auch entzündungshemmende Stoffe, antibiotisch wirkende Substanzen sowie für Neuriten wachstumsfördernde Stoffe abgegeben. Tiere tolerieren den Biss der Egel sehr gut und zeigen meist keine Abwehr.

Die Therapie erfolgt dergestalt, dass das Fell an der betroffenen Stelle rasiert wird und der Egel mit einem feuchten Tuch oder auch in einer abgeschnittenen Spritze aufgesetzt wird. Nach einigem Suchen wird er sich genau die Stelle suchen, an der er beißen wird. Dieses Suchen kann einige Minuten dauern, manchmal will ein Egel auch gar nicht zubeißen, dann wird ein neuer verwendet. Hat der Egel zugebissen, was er mit seinen drei Kiefern macht, die später ein Y- oder Mercedesstern-förmiges Loch hinterlassen, verbleibt er für 30 bis 60 Minuten, manchmal auch für zwei Stunden. Dabei sondert er ein wässriges Sekret ab, wodurch er die aufgenommene Blutmahlzeit konzentriert. Danach lässt der Egel von selber ab und sollte niemals gewaltsam entfernt werden. Für die beste Wirkung sollte die Wunde offen gelassen werden und die Nachblutung toleriert werden. Ein Wundverschluss erfolgt erst nach einem Tag. 

  • Kinesiologisches Taping

Wie auch beim Menschen können die Tapes - richtig angelegt - folgende Effekte bewirken:

Aufgrund der Elastizität werden die Haut und das darunter liegende Gewebe angehoben und dadurch die Durchblutung gesteigert, Ödeme abtransportiert und durch den verminderten Druck Schmerz gelindert.  

Die statischen Materialeigenschaften stabilisieren die Strukturen, die Tapes bilden ein Widerlager für die Muskelpumpe und verbessern Blut- und Lymphzirkulation. 

Durch die dynamische Verschiebung zwischen Haut und darunter liegenden Schichten kommt es zum Lösen von Blockierungen und Verklebungen. Außerdem werden Rezeptoren gereizt. Die elastisches Bändern werden im Muskelverlauf oder über Gelenke hinweg geklebt und entfalten hier ihre Wirkung zum einen durch mechanische Stabilisierung, zum anderen durch die Anregung der Durchblutung und damit des Lymphabflusses. Auch den unterschiedlichen Farben wird eine wichtige Bedeutung zugeschrieben, rot wirkt eher anregend, durchblutungsfördernd und wärmend, während blau kühlend und beruhigend wirkt. Wichtige Anwendungen sind daher neben der Schmerzbehandlung nach Operationen auch Rückenproblematiken und Hüftgelenksdysplasie, Ödeme und Lymphstauungen, aber auch energetische Behandlungen durch Einflussnahme auf die Akupunkturmeridiane und Akupunkturpunkte. Natürlich ist das Anbringen – und auch wieder Entfernen – der Tapes bei langhaarigen Hunden schwierig und daher nicht zu empfehlen. Ideal ist es, wenn die Tapes sofort nach einer Operation auf der geschorenen Haut angebracht werden können. Außerdem können sie bei ohnehin kurzhaarigen Hunden angewendet werden.

  • Schmerzbehandlung 

Dass Tiere genau wie der Mensch unter Schmerzen leiden, ist unbestritten. Dies führt, da ihnen das Verständnis dafür fehlt, nicht nur zu einem Leiden, sondern auch oft zu unerwünschtem Verhalten wie Rückzug, Nahrungsverweigerung oder sogar Aggression. Die Ursachen für Schmerzen sind beim Tier ebenso vielfältig wie beim Menschen. Chronische Erkrankungen, Gelenkverschleiß, Wirbelsäulenerkrankungen, postoperative Schmerzen, verletzungsbedingte Erkrankungen und vieles mehr verursachen Schmerzen und führen entsprechend zu Verspannungen, die den Schmerz noch verstärken und auch zu psychischer Anspannung. 

Neben der Behandlung mit entsprechenden Schmerzmedikamenten oder Medikamenten zur Entspannung ist hier der Einsatz der Akupunktur sowie der Massage oder verschiedener elektrotherapeutischer Maßnahmen sinnvoll. 

  • Beratung bei Verhaltensproblemen

Viel mehr als früher nimmt man unerwünschtes oder unangemessenes Verhalten nicht mehr als gegeben hin, sondern versucht für das Tier und sich selbst eine gute Lösung zu finden. Während früher gedacht wurde, dass man mit strenger und harter Hand jedes Problem beheben kann, zeigt sich zunehmend, dass auch Tiere geprägt sind durch Erlebnisse und Ereignisse und nicht jede Verhaltensproblematik tatsächlich ein Erziehungsproblem darstellt. Viele dieser Probleme sind dadurch zu lösen, dass man die zugrundeliegende Ursache findet und zu verstehen versucht um dann zu einer maßgeschneiderten Lösung für Tier und Tierhalter zu kommen. Bisweilen müssen hier auch vorübergehend oder auf Dauer Medikamente verabreicht werden. Erst dann ist oft ein Arbeiten mit dem Tier möglich.